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Fahrbericht Volkswagen e-Golf

Auf einem örtlichen Dorffest hatte ich kurz die Gelegenheit, den Volkswagen e-up! vom Autohaus Kuhn & Witte in Jesteburg Probe zu fahren. Hierbei wurde mir angeboten, den e-Golf für einen ganzen Tag zu testen. Aufgrund des für mich günstigen Belegungsplanes des Fahrzeuges durfte ich den e-Golf bereits am Freitag um 18.00 Uhr abholen und bis Montag 09.00 Uhr behalten.

Der erste Eindruck

Nachdem mich Herr Freitag vom Autohaus Kuhn & Witte persönlich in Empfang genommen hatte, begleitete er mich zu dem Fahrzeug, welches noch an der Ladestation stand aber bereits voll aufgeladen war. Bis auf die etwas „wilde“ Promotion-Folierung stand dort auf den ersten Blick ein ziemlich normaler weißer 4-türiger Golf 7. Es folgte eine kurze Einweisung durch Herrn Freitag, die basics kannte ich schon vom e-up!. Ein Ladekabel- und Adaptersortiment befand sich im doppelten Ladeboden des Kofferraumes.
Eine ausführliche Beschreibung der elektrospezifischen Bedienungselemente und –modi erspare ich mir an dieser Stelle; in den einschlägigen Fachmagazinen ist hierüber inzwischen ausreichend und erschöpfend geschrieben worden.
Alles in Allem saß ich schlussendlich in einem normalen Golf 7 mit den aus der Fachpresse bekannten Attributen.

Die erste Fahrt nach Hause

Den Dreh am Zündschlüssel konnte ich mir sparen, das Testfahrzeug verfügte über das aufpreispflichtige „keyless-go“, d.h. der Schlüssel blieb in der Hosentasche.
Stattdessen befand sich ein Start-Stop-Knopf in der Mittelkonsole neben dem Automatik-Wählhebel. Rechten Fuß auf die Bremse und Knopf gedrückt – mit einem „ping“ erwachte das Fahrzeug zum Leben und der Zeiger im Powermeter (anstelle des Drehzahlmessers) schwenkte von „off“ auf „0“. Nun war ich bereit zum losrollen.
Das Anfahren erfolgte völlig ruck- und geräuschlos, ich rollte einfach vom Hof. Die Reichweite wurde mir mit 170 km angezeigt und ließ sich durch Schalten in den Eco-Modus (verminderte Systemleistung) noch auf 178 km steigern. Ein ordentlicher Wert, wie ich finde, rein rechnerisch sind bei der Batteriekapazität von 24,2 kWh und einem angegebenen Normverbrauch von 12,7 kWh auf 100 km ca. 190 km Reichweite drin.

Vor mir lagen nun 15 km bis nach Hause, mit einem Mix aus Landstraßen und Ortschaften.

Der erste richtige Tritt auf’s Gas- bzw. Strompedal drückte mich dann auch gleich ordentlich in den Fahrersitz, die 270 Nm Drehmoment liegen systembedingt ab der ersten Umdrehung des Elektromotors in vollem Umfang an. Gefühlt hätte ein GTI bis Tempo 50 Mühe zu folgen! Die weitere Strecke verlief völlig unspektakulär, sieht man einmal davon ab, dass es am Ende der Ortschaften jedes Mal riesigen Spaß machte, von Tempo 50 auf 70 oder 100 km/h zu beschleunigen und dabei sehr nachdrücklich wie an einem großen Expandergummi vorwärts gezogen zu werden.
Außer den recht präsenten Wind- und Abrollgeräuschen war dabei nichts zu hören. Die Stärke der möglichen Rekuperation lässt sich am Fahrhebel von 1 bis 3 regeln, eine Art Super-Rekuperationsstufe gibt es noch mit der Bezeichnung „B“ – diese habe ich meistens benutzt.
Nimmt man den Fuß wieder vom Gaspedal, so kann man im Powermeter verfolgen, wie der Elektromotor zum Generator wird, das Abbremsen des Fahrzeuges übernimmt und dabei elektrische Energie wieder zurück in den Bordakku einspeist. Eine in mehrfacher Hinsicht sinnvolle Sache. Erstens wird kaum Energie verschwendet, entgegen dem konventionellen Bremsen, das Vortriebs- in Wärmeenergie umwandelt, die dann an die Umwelt abgegeben wird. Zweitens wird die Betriebsbremse des Fahrzeuges nur selten in Anspruch genommen, was wiederum weniger Abnutzung derselben bedeutet.
Im „B“-Modus kann das Fahrzeug elektrisch so stark verzögern, dass die Bremsleuchten angehen. Mit etwas geübtem Gasfuß lässt sich die Rekuperation sehr feinfühlig steuern, sodass ich das Bremspedal nach kurzer Eingewöhnung auf dem Weg nach Hause nur noch kurz an Ampeln benutzt habe.
Der Lohn dafür war bei Ankunft zuhause die Reichweitenanzeige, die sich exakt um 15 km verringert hatte. Ich bin also bei meiner ersten Fahrt genau im Rahmen der tendenziell immer eher optimistisch anzeigenden Bordnetzsysteme geblieben.

Der erste Ladevorgang

Obwohl sicherlich nicht notwendig, beschloss ich, gleich nach meiner Ankunft unter dem heimischen Carport, das Ladekabel anzuschließen.
Natürlich habe ich zuhause unter dem Carport keine Schnellladestation sondern nur die übliche mit 16 A abgesicherte Haushaltssteckdose mit 230 V, aber auch hierfür war im Fahrzeug ein passendes Ladekabel vorhanden. Dieses Ladekabel mit integriertem Kontrollgerät ist bauartbedingt auf 10A begrenzt und kann bei Bedarf (z.B. schwache Absicherung der heimischen Steckdose) noch weiter runtergeregelt werden. Das Anschließen des Ladekabels verlief problemlos und nach ca. 1,5 h war der Akku des Fahrzeuges wieder voll.
Nach einigem Stöbern im e-Manager (erreichbar über den Touchscreen des Navigationssystems) stellte ich fest, dass man auch fahrzeugseitig den maximalen Ladestrom begrenzen kann. Werksseitig war der Wert auf 16 A eingestellt, man kann ihn in mehreren Stufen herunterschalten, was natürlich zu Lasten der Ladedauer geht. Diese Einstellung betrifft allerdings das Laden an einer „Wallbox“, die bei mir zuhause nicht zur Verfügung steht.

Der Samstag

Morgens stand erstmal der übliche Wochenendeinkauf auf dem Programm und natürlich wollte der Sohnemann (3 Jahre alt) mit. Das Abklappern der örtlichen Nahversorger mit einer Km-Leistung von insgesamt 8 km bescherte mir sonst immer ein etwas schlechtes Umweltgewissen, ist doch der klassische Verbrennungsmotor (bei uns ein 1,4l Saugbenziner im Golf Plus) nicht der ideale Antrieb für solche Kurzstrecken. Heute blieb das Gewissen ruhig und wir surrten elektrisch durch die Gegend.
Am Nachmittag sind wir dann noch mit der ganzen Familie (Mama, Papa, Sohn und Oma) zum Treckerfest in den Nachbarort gefahren, wieder 26 km mit reinem Öko-Gewissen, strömt doch aus der heimischen Steckdose Strom aus 100% erneuerbaren Energien. Das Fahren mit dem e-Golf macht großen Spaß und man freut sich ständig über das leise Dahingleiten und die bei Bedarf imposante Beschleunigung.
Am Abend kam der Golf wieder an die Elektroleine, ca. 3 h bei max. 10 A haben den Akku wieder aufgefüllt.

Der Sonntag

Heute wollten wir es dann wissen. Hat der e-Golf außer der Reichweitengrenze noch andere Einschränkungen zu bieten? Zuerst setzte sich meine Frau hinter das Lenkrad und wir rollten mit voller Batterie zu dritt (Mama, Papa, Sohn) vom heimischen Grundstück. Ein Stück Autobahn sollte zeigen, was in dem Fahrzeug leistungsmäßig steckt.
Meine Frau war sofort von dem Fahrgefühl angetan und die Beschleunigung auf der Autobahnzufahrt zauberte auch ihr ein Grinsen zwischen die Ohren. Bis 145 km/h nach Tachoanzeige ließ sich das Fahrzeug beschleunigen, dann wurde abgeriegelt. Das macht sicherlich Sinn vor dem Hintergrund des überproportional ansteigenden Energieverbrauches bei höheren Geschwindigkeiten. Der Tempomat lässt sich bis maximal 140 km/h einstellen.
Natürlich zählt die Reichweitenanzeige bei solchen Geschwindigkeiten etwas zügiger herunter, allerdings geht das Powermeter auch bei Topspeed und ebener Fahrbahn nicht über 30 % Systemleistung heraus. Beschleunigen kostet viel Energie, gleichmäßiges – auch zügiges – Fahren weniger. Dieser Grundsatz gilt natürlich auch im e-Golf.
Nach einem Fahrerwechsel und einer weiteren Autobahnetappe waren wir wieder zuhause, hatten 46 km abgespult und die Restreichweite zeigte immer noch 107 km von ursprünglich 178 km an. Aus virtuellen 71 km Reichweite hatte die Autobahnhatz also 46 km gemacht – auch das ist bei konventionellen Verbrennerantrieben nicht anders.
Am Sonntagnachmittag haben wir uns dann ohne eine weitere Zwischenladung mit der Restreichweite von 107 km auf den Weg zu zwei weiteren Events gemacht, einem Tag der offenen Mühle und einem Drachenfest. Die „Tankanzeige“ stand noch auf 2/3 voll.
Das bedeutete mehrere Etappen auf Landstraßen und durch Ortschaften. Der Rückweg führte uns dann wieder teilweise über die Autobahn. Auch hier habe ich nicht gegeizt und den e-Golf über 13 km Autobahn mit Vollgas laufen lassen. Am Ende der 60 km langen Rundtour mit 25% Autobahnanteil rollten wir mit angezeigten 27 km Restreichweite zuhause auf den Hof. Aus virtuellen 80 km Reichweite waren heute Nachmittag also reale 60 km im Mischbetrieb geworden – und wir waren definitiv kein Verkehrshindernis!
Allerdings veranschlagte das System jetzt für das Vollladen an der Haushaltssteckdose mit maximal 10 A eine Ladezeit von 9,5 h. Egal, das Kabel kann ja über Nacht dran bleiben.

Die Rückgabe

Am Montagmorgen verlief die Rückfahrt nach Jesteburg mit dem vollgeladenen Fahrzeug erwartungsgemäß ohne Probleme. Selbst mit dem gestern auf ein knappes Viertel heruntergefahrenen Ladezustand wäre ich noch locker dorthin gekommen. Etwas schade war es, dass ich mich von diesem tollen Auto schon wieder trennen musste.

Das Fazit

Sowohl meine Frau als auch ich haben das Fahren mit dem e-Golf als völlig problemlos und extrem spaßbehaftet empfunden. Selbst der Sohn war begeistert („…Papa, wieder schnell fahren!!...“).
Die angebotene Reichweite hat für unsere Belange absolut ausgereicht, selbst unökonomische Fahrweise hat hier nicht für dramatische Einschränkungen gesorgt.
Man muss sich von vornherein natürlich auf die veränderten Rahmenbedingungen einlassen wollen, sprich: Das Fahrzeug sollte konsequent vollgeladen werden, wenn sich die Gelegenheit bietet. Das wird ohne eigene Steckdose am heimischen Parkplatz zugegebenermaßen schwierig, Laternenparker sind hier also ganz klar im Nachteil.
Die Nachfrage meiner Frau nach einer längeren Urlaubsreise mit dem Pkw beantwortet Volkswagen derzeit mit dem Angebot, beim Kauf eines e-Golf ein konventionelles Mietfahrzeug jedes Jahr für 30 Tage kostenfrei zur Verfügung zu stellen.
Auf die Kostenfrage insgesamt gehe ich hier nicht näher ein – auch das ist von der einschlägigen Fachpresse ausreichend erörtert worden: Das Fahrzeug rechnet sich (noch) nicht. Selbst ausstattungsbereinigt trennen den e-Golf mehrere tausend Euro von einem vergleichbaren Fahrzeug mit konventionellem Antrieb, obwohl der Unterschied nicht ganz so gravierend ausfällt wie beim up! – hier ist es locker mal das Doppelte.
Aber darum geht es im Moment auch nicht.
Mit dem e-Golf steht ein Fahrzeug zur Verfügung, welches sich innerhalb der Systemgrenzen genauso nutzen lässt wie der konventionelle Bruder, dabei einen Heidenspaß beim Fahren macht und das bei, die richtige Stromquelle vorausgesetzt, etwas beruhigtem grünen Gewissen.
Was bei mir völlig verschwunden ist, sind die Bedenken, wie es mit der individuellen Mobilität weiter geht, falls fossile Brennstoffe nicht mehr in dem dafür benötigten Umfang zur Verfügung stehen.
Der e-Golf zeigt uns hier schon jetzt einen sehr gut gangbaren Weg

© 2014 M. Brandt

e-Golf Stromverbrauch in kWh/100 km: 12,7 (kombiniert) CO2-Emissionen in g/km: 0 (kombiniert) Effizienzklasse: A+

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